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Ronaldo-Statue auf Madeira: Gute Miene zur schlechten Miene

Statuen errichtet man den Verehrten üblicherweise posthum – es sei denn, man ist Diktator. Warum eigentlich? Weil es seltsam für die Helden wäre, ihrem eigenen metallischen oder steinernen Ebenbild zu begegnen? Das wäre den Berühmtheiten wohl noch zuzumuten. Nein, der Grund ist folgender: Wer tot ist, kann sich nicht beschweren. Dass die Nase zu großgeraten sei; dass man fett aussehe; dass die Bronze den eigentlichen Teint nur unzutreffend wiedergebe. Eine unvorteilhafte Statue ist sogar noch ärgerlicher als ein Foto von unten, dass das Doppelkinn wahlweise erst erschafft oder noch gigantischer wirken lässt, als es ohnehin schon ist. Denn die Statue ist nicht nur einen Tag auf Facebook unterwegs, sondern steht trotzig an prominenter Stelle, bis sich der Verfall oder eine Bombe erbarmt. Die Denkmäler wahrer Helden reißt man nicht ab: Diese zweifelhafte Ehre wird nur den bereits erwähnten Diktatoren zuteil.

Von jeder Regel gibt es eine Ausnahme, und da Cristiano Ronaldo ein Ausnahmespieler ist, hat man ihm zu Lebzeiten nicht nur eine Statue errichtet, sondern gleich deren zwei. Die jüngere wurde vor kurzem am Flughafen von Ronaldos Heimatinsel Madeira der Öffentlichkeit und natürlich dem Abgebildeten präsentiert. Im Moment der Enthüllung sah sie dem Vorbild tatsächlich täuschend ähnlich – jedoch nur, weil er vor Schrecken über seine goldene Fratze eine ebensolche zog. Die Büste einfach wieder einzuschmelzen, traute sich Ronaldo nicht zu fordern. Er will sein Image als eitelster Menschen aller Zeiten schließlich nicht noch weiter füttern. Also machte er nach einem Moment des Schocks gute Miene zur schlechten Miene.

So groß war der Trubel um das hässlichste Bildnis des schönsten Menschen, dass völlig unterging, dass nun auch der Flughafen nach Ronaldo benannt ist. Fehlt nur noch der Slogan: „Fliegen Sie wie der König der Schwalben!“ Auf der Insel hat Ronaldo selbstverständlich auch schon ein Museum eröffnet. Ein Museum von ihm und über ihn. Vermutlich folgt bald die Abspaltung Madeiras von Portugal, die Umbenennung der Insel in Ronaldo-Land und dessen Krönung zu König Ronaldo I., um Geldscheine mit seinem Konterfei drucken zu können. Wenn die Bürger jedoch eines Tages merken, dass auch ein Fußballgott am Ende nur ein Mensch ist, der ihnen vielleicht Fußball-Touristen bringt, aber sonst nichts, wird die Statue am Flughafen von Revolutionären gestürzt werden. Als Symbol der Befreiung vom Diktator.

(Beitragsbild: Ruben Ortega)

Published inKommentare zu Politik & Gesellschaft

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