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Mann heiratet Roboterfrau: Bald gibt es den Partner zum Ausdrucken

Der Mensch unterscheidet sich unter anderem vom Tier, indem er ausgefeilte Werkzeug baut und benutzt. Seit der erste Mann mit einem Stein einen Artgenossen erschlug, um eine Frau zu begeistern, sind der Mensch und sein Werkzeug immer weiter zusammengewachsen. Ohne Beile und Bogen wäre der Mensch nie dem Urwald entflohen; ohne Zahnräder und Züge hätte er nie die Moderne erreicht; und ohne Computer und Call Center hätten wir keinen Grund, heute von „Postmoderne“ zu sprechen. In der menschlichen Evolution tut sich seit einigen Jahrtausenden nicht mehr viel – stattdessen entwickeln wir unsere Werkzeuge weiter. Über den heutigen Menschen kann deshalb am meisten lernen, wer seine Beziehung zu seinen Werkzeugen analysiert und zu dem Schluss kommt: Der legitime Nachfolger des Homo sapiens ist im 21. Jahrhundert der Homo Smartphoniensis.

Ein Mann baut eine Roboterfrau und heiratet sie

Doch manchen geht es nicht weit genug, dass der Mensch mit einem tragbaren Computer zu einer hyperintelligenten Einheit verschmilzt. Wenn Maschinen inzwischen vieles besser können als der Mensch, erscheint es ihnen der nächste logische Schritt zu sein, dass sie ihn bald vollends ersetzen. Natürlich will niemand selbst ersetzt werden, da sich ja jeder für die Krönung der Schöpfung hält. Doch die anderen, mangelhaften Menschen, die sollen doch bitte den Maschinen Platz machen. In China hat sich jüngst ein junger Ingenieur eine Roboterfrau geschaffen und sie nach zwei Monaten des Kennenlernens geehelicht. Angeblich, weil die Eltern ihn damit nervten, doch bitte endlich zu heiraten. Doch eigentlich illustriert sein Fall, dass viele in ihrem postmodernen Perfektionismus keine Menschen mehr finden, die ihren Ansprüchen an einen Lebensgefährten genügen.

Partner entwerfen und ausdrucken: zuhause oder unterwegs?

Der Trend geht also zum Baukasten-Partner. Noch mag das ein exotisches Hobby chinesischer Nerds sein, doch dank der Weiterentwicklung und zunehmenden Verbreitung von 3D-Druckern wird es bald die Frau und den Mann zum Selbstausdrucken geben. Diese Person können wir dann ganz nach unseren Vorlieben am Smartphone entwerfen, sei es zuhause oder im heimeligen WLAN von Starbucks. Sie sieht so aus, wie wir es uns wünschen, sie teilt unsere Interessen, unseren Humor und unsere Weltanschauung. Erst wenn wir einige Zeit mit ihr ein Leben in idyllischer Zweisamkeit geführt haben, wird uns dämmern, dass wir mit einer Kopie unserer selbst leben. Nur in einem Punkt unterscheidet sie sich von uns: Sie ist noch ein bisschen perfekter als wir.

 

(Beitragsbild von DrSJS)

Published inKommentare zu Politik & Gesellschaft

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