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Kategorie: Kommentare zu Politik & Gesellschaft

Mann heiratet Roboterfrau: Bald gibt es den Partner zum Ausdrucken

Der Mensch unterscheidet sich unter anderem vom Tier, indem er ausgefeilte Werkzeug baut und benutzt. Seit der erste Mann mit einem Stein einen Artgenossen erschlug, um eine Frau zu begeistern, sind der Mensch und sein Werkzeug immer weiter zusammengewachsen. Ohne Beile und Bogen wäre der Mensch nie dem Urwald entflohen; ohne Zahnräder und Züge hätte er nie die Moderne erreicht; und ohne Computer und Call Center hätten wir keinen Grund, heute von „Postmoderne“ zu sprechen. In der menschlichen Evolution tut sich seit einigen Jahrtausenden nicht mehr viel – stattdessen entwickeln wir unsere Werkzeuge weiter. Über den heutigen Menschen kann deshalb am meisten lernen, wer seine Beziehung zu seinen Werkzeugen analysiert und zu dem Schluss kommt: Der legitime Nachfolger des Homo sapiens ist im 21. Jahrhundert der Homo Smartphoniensis.

Ronaldo-Statue auf Madeira: Gute Miene zur schlechten Miene

Statuen errichtet man den Verehrten üblicherweise posthum – es sei denn, man ist Diktator. Warum eigentlich? Weil es seltsam für die Helden wäre, ihrem eigenen metallischen oder steinernen Ebenbild zu begegnen? Das wäre den Berühmtheiten wohl noch zuzumuten. Nein, der Grund ist folgender: Wer tot ist, kann sich nicht beschweren. Dass die Nase zu großgeraten sei; dass man fett aussehe; dass die Bronze den eigentlichen Teint nur unzutreffend wiedergebe. Eine unvorteilhafte Statue ist sogar noch ärgerlicher als ein Foto von unten, dass das Doppelkinn wahlweise erst erschafft oder noch gigantischer wirken lässt, als es ohnehin schon ist. Denn die Statue ist nicht nur einen Tag auf Facebook unterwegs, sondern steht trotzig an prominenter Stelle, bis sich der Verfall oder eine Bombe erbarmt. Die Denkmäler wahrer Helden reißt man nicht ab: Diese zweifelhafte Ehre wird nur den bereits erwähnten Diktatoren zuteil.

Warum es eine schlechte Idee ist, Deutschtürken nicht am Referendum teilnehmen zu lassen

Welche Entscheidung ein Bürger in einer Wahlkabine trifft, geht ausschließlich ihn selbst etwas an. Nur weil der Mehrheit eines Landes missfällt, was manche wählen, darf der Staat nicht die Wahlfreiheit beschränken. In einem Kommentar hat ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung am 15. März vorgeschlagen, dass Deutsche mit einem Doppelpass nur in dem Land wählen dürfen sollten, in dem sie ihren Lebensmittelpunkt haben. Dem Autor geht es dabei aber nicht um alle 4,3 Millionen Deutsche, die einen zweiten Pass besitzen. Es geht ihm ausschließlich um das Türkei-Referendum und darum, sich „Erdoğans Wahlkampfoffensive zu erwehren“.

Türkischer Wahlkampf in Deutschland: Zensur nicht mit Zensur bekämpfen

Vielen Deutschen missfällt es, dass derzeit türkische Politiker in Deutschland Wahlkampf machen wollen. Warum dürfen sie hier für eine Verfassungsreform werben, die die Türkei einer Diktatur einen großen Schritt näherbringt, fragen sie. Die Antwort liegt auf der Hand: Weil wir in einem Rechtsstaat mit Meinungsfreiheit leben, in dem jeder für seine Ansichten werben darf, solange sie unserem Grundgesetz nicht widersprechen. Das gilt für ausländische Gäste genauso wie für deutsche Staatsbürger. Ein Rechtsstaat darf Veranstaltungen nicht verbieten, weil sie der Mehrheit der Bevölkerung inhaltlich nicht passen. Dasselbe gilt schließlich auch für extreme deutsche Parteien.

Wie eine Steuer die Welt vor der Überhitzung retten könnte

Vergangene Woche machte das Umweltbundesamt Schlagzeilen. Seine Chefin forderte höhere Steuer auf Fleisch- und Milchprodukte, weil diese in der Produktion besonders viel CO2 verursachen. Die Hoffnung dahinter: Wenn diese Lebensmittel teurer werden, werden sie weniger nachgefragt, in der Folge weniger produziert und der CO2-Ausstoß geht zurück. Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten: Die Behörden wollen uns vorschreiben, was auf den Tisch kommt! Arme Haushalte werden sich kein Fleisch und keine Milchprodukte mehr leisten können, dabei sind die doch wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung! Sofort wurde auch dem Ernährungsminister und der Umweltministerin klar, dass diese Idee Wähler vergraulen würden und sie gaben bekannt, dass sie von diesem Vorschlag nichts halten. Ich finde dagegen, die Idee ist genau die richtige und geht sogar nicht weit genug.

Medienrealität: Ein verzerrter Blick auf die Welt

Bad news are good news. Das ist wohl der älteste Grundsatz des Journalismus und bis heute gültig. Hohe Einschaltquoten oder Klickzahlen lassen sich vor allem mit Katastrophen, Verbrechen und Skandalen erreichen. Dass das so ist, kann man nicht den Medienschaffenden vorwerfen, sondern der menschlichen Neigung, dass wir hingucken wollen, wenn etwas Schlimmes passiert. Wer kann schon behaupten, er würde

Was ist dran an der „Lügenpresse“?

„Die etablierten Medien sind doch eh alle gesteuert. Sie sind voreingenommen, berichten immer nur über die gleichen Themen und schlagen immer wieder in die gleiche Kerbe. Sie werden von der Regierung kontrolliert, die ihre Befehle wiederum von den USA empfängt. Unabhängigen Journalismus gibt es in Deutschland nur auf alternativen Internetseiten.“

Derartige Äußerungen höre ich in letzter Zeit immer häufiger. Nicht nur von Pegida-Anhängern, sondern

Wie weltwärts politische Einstellungen verändert

Kurzzusammenfassung für Eilige

  • „weltwärts“-Freiwillige haben vor der Ausreise im Vergleich zu ihrer deutschen Altersgruppe untypische politische Einstellungen: Sie vertrauen ihren Mitmenschen eher, sind toleranter gegenüber Minderheiten, politisch eher links, extrem demokratisch orientiert und extrem umweltbewusst, zudem postmaterialistischer und weniger stolz auf Deutschland.
  • Diese durchschnittlichen Einstellungen der Freiwilligen haben sich nach „weltwärts“ kaum verändert. Allerdings vertrauen sie ihren Mitmenschen noch mehr und rücken politisch geringfügig weiter nach links.
  • Die Einstellungen eines/einer Freiwilligen lassen sich am besten anhand seines/ihres politischen Interesses vorhersagen. Ist es groß, hat er/sie tendenziell mehr soziales Vertrauen, ist eher links, weniger patriotisch und eher postmaterialistisch.
  • Die Faktoren, die während „weltwärts“ wirken, zeigen geringen Einfluss (was aber auch dem Forschungsdesign geschuldet sein könnte). Allerdings lassen politische Diskussionen mit anderen Freiwilligen und ein heftiger Kulturschock Demokratie wichtiger werden. Gleichzeitig verringert ein Kulturschock das Vertrauen zu Mitmenschen.