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Schlagwort: Türkei

Warum es eine schlechte Idee ist, Deutschtürken nicht am Referendum teilnehmen zu lassen

Welche Entscheidung ein Bürger in einer Wahlkabine trifft, geht ausschließlich ihn selbst etwas an. Nur weil der Mehrheit eines Landes missfällt, was manche wählen, darf der Staat nicht die Wahlfreiheit beschränken. In einem Kommentar hat ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung am 15. März vorgeschlagen, dass Deutsche mit einem Doppelpass nur in dem Land wählen dürfen sollten, in dem sie ihren Lebensmittelpunkt haben. Dem Autor geht es dabei aber nicht um alle 4,3 Millionen Deutsche, die einen zweiten Pass besitzen. Es geht ihm ausschließlich um das Türkei-Referendum und darum, sich „Erdoğans Wahlkampfoffensive zu erwehren“.

Türkischer Wahlkampf in Deutschland: Zensur nicht mit Zensur bekämpfen

Vielen Deutschen missfällt es, dass derzeit türkische Politiker in Deutschland Wahlkampf machen wollen. Warum dürfen sie hier für eine Verfassungsreform werben, die die Türkei einer Diktatur einen großen Schritt näherbringt, fragen sie. Die Antwort liegt auf der Hand: Weil wir in einem Rechtsstaat mit Meinungsfreiheit leben, in dem jeder für seine Ansichten werben darf, solange sie unserem Grundgesetz nicht widersprechen. Das gilt für ausländische Gäste genauso wie für deutsche Staatsbürger. Ein Rechtsstaat darf Veranstaltungen nicht verbieten, weil sie der Mehrheit der Bevölkerung inhaltlich nicht passen. Dasselbe gilt schließlich auch für extreme deutsche Parteien.

Fazit meines Erasmus-Aufenthalts Teil 1: Türkische Sprache und Kontakte zu Türken

In weniger als zwei Wochen geht es für mich zurück nach Hause. Zeit, meinen Aufenthalt Revue passieren zu lassen.

Als ich mich für die Türkei als mein bevorzugtes Land für Erasmus entschieden habe, war ich noch sicher, Lehrer werden zu wollen. Ich erhoffte mir, dass die hier erworbenen Kenntnisse der türkischen Kultur und Sprache mir einen besonderen Draht zu Schülern und Schülerinnen mit türkischen Wurzeln verschaffen würden – schließlich gibt es in deutschen Klassenräumen nicht wenige davon. Aber auch als ich zu zweifeln begann, ob mich der Lehrerberuf glücklich machen würde, war diese Motivation noch lange nicht außer Kraft gesetzt. Denn auch

Tränengas am Heiligabend

Ich hatte nie daran gedacht, an Weihnachten nach Hause zu fliegen. Schließlich bin ich nur fünf Monate hier, das ist kurz genug. Außerdem finde ich es für ein paar Tage unverhältnismäßig, so viel Emissionen zu verursachen. Nicht zuletzt war mir das Weihnachtsfest auch noch nie so wahnsinnig wichtig. Allerdings war ich davon ausgegangen, dass das einige andere Istanbuler Erasmus-Studis auch so sehen und ich mir es mit ihnen in den Stunden gemütlich machen kann, wenn es sich dann doch komisch anfühlt, nicht mit der Familie am Tannenbaum zu sitzen. Vor vier Jahren

Von Atatürk bis Çay: Wahre Klischees über Türken

Letzte Woche habe ich versucht, einige Klischees über Türken zu entkräften. Diese Woche berichte ich von denen, die sich für mich größtenteils bewahrheitet haben. Natürlich mit einem gewissen Augenzwickern…

Viele Türken lieben alles, was gold oder silber ist und am besten noch blinkt

Apotheken blinken aufdringlich, über der Einkaufsstraße hängt seit August weihnachtlich anmutendender Lichterschmuck, am Tannenbaum vor einer katholischen Kirche ist vor lauter Lametta kaum noch ein grüner Fleck zu erkennen und mein Mitbewohner hat zwei goldene Delfine auf seinem Fernseher stehen. Der türkische Mainstream-Geschmack deckt sich

Kopftücher und andere Vorurteile: Falsche Klischees über Türken

Klischees sind oft nicht falsch, sondern nur ein Ausschnitt der Wahrheit. Trotzdem vermitteln sie uns ein verzerrtes Bild von unseren Mitmenschen und können zu Vorurteilen führen. Deshalb habe ich in diesem Jahr mit anderen eine Ausstellung über afrikanische Großstädte organisiert. Jetzt, da ich ein bisschen mit dem Leben in der Türkei vertraut bin, möchte ich dazu beitragen, auch Stereotype über türkischstämmige Menschen zu hinterfragen. So platt, wie ich sie hier aufgeführt habe, werden die Vorurteile natürlich selten formuliert. Aber Überspitzung kann helfen, klarer zu sehen. Und in diesem Fall klarer zu entkräften. Ich bin übrigens natürlich noch lange kein Türkei-Experte: Ich kenne schließlich nur Istanbul – und auch hier nur

Alltagsbeobachtungen

In meinen bisherigen Artikeln war kaum Platz für die Beobachtungen des alltäglichen Lebens in Istanbul. Das möchte ich nun nachholen.

Katzen, überall Katzen

Istanbul ist die Stadt der Katzen. Manchmal habe ich den Eindruck, es gibt mehr Katzen als Menschen. So krass ist es natürlich nicht; aber gerade nachts, wenn ich durch mein stilles und etwas heruntergekommenes Viertel laufe, sind sie es, denen die Straße gehört. Obwohl es Straßentiere sind, lieben die Istanbuler ihre Katzen. Wenige Menschen haben ein Haustier. Stattdessen versorgen alle zusammen die Katzen. Auch wenn ich sie nachts oft im Müll wühlen sehe, füttern die Leute sie vielerorts und eigentlich überall

Meine Zukunft im Kaffeesatz

Ich weiß jetzt, wie meine Zukunft aussehen wird. Geschrieben stand sie in einer Kaffeetasse. Entschlüsselt hat es mir eine Frau, die aussieht wie ein Mann. Kahve falı, Kaffeeprophezeiung, nennen die Türken die Wahrsagerei auf der Basis von Kaffeesatz. Dafür trinkt man einen türkischen Kaffee, der in einer winzigen Tasse serviert wird und ungefiltert ist, so dass sich

Pauschalreise durchs Märchenland

Ich hege eine tiefe Abneigung gegen Pauschalreisen. Gebunden an eine große Reisegruppe, untergebracht in einem Hotel, das ich mir nicht ausgesucht habe, von einem Reiseführer abhängig, der möglicherweise genau das für sehenswert hält, was ich als sterbenslangweilig empfinde. Trotzdem konnte ich bei diesem Angebot nicht Nein sagen: Für 90 Euro drei Tage nach Kappadokien? Ich musste die Gegend nur googlen und schon wusste ich, dass ich dort unbedingt hin wollte. Moscheen und Museen habe ich inzwischen wirklich genug gesehen. Aber eine Landschaft wie diese